„Das Literarische Quartett“ mit Katharina Teutsch
ZDF Literarisches Quartett 2018 Frühjahr
Volker Weidermann lädt am Freitag, 20. April 2018, 23.25 Uhr, gemeinsam mit Christine Westermann und Thea Dorn im ZDF zum Gespräch über Bücher. Zu Gast beim „Literarischen Quartett“ ist dieses Mal die freie Literaturkritikerin Katharina Teutsch (Deutschlandfunk, FAZ.). Im Rang-Foyer des Berliner Ensembles diskutieren die vier über Werke von Eshkol Nevo, Johann Scheerer, Éric Vuillard und Serhij Zhadan.
„Über uns“ heißt der neue Roman des israelischen Schriftstellers Eshkol Nevo. Er erzählt von drei Familien, die über drei Etagen verteilt in einem gutbürgerlichen Haus in Tel Aviv wohnen. Nachbarn, die nicht wissen, was die anderen hinter ihren Wohnungstüren treiben. Jeder lebt sein Leben, jeder hat sein Geheimnis. Nevo durchleuchtet das Haus und seine Bewohner, erzählt von ihren Ängsten und Freuden, Lügen und Selbsttäuschungen. Erst am Ende des Romans schwant dem Leser, warum der Titel „Über uns“ heißt.
Die Reemtsma-Entführung war einer der spektakulärsten Kriminalfälle der deutschen Nachkriegsgeschichte. In dem Buch „Im Keller“ hat Multimillionär Jan Phillip Reemtsma seine Gefangenschaft verarbeitet. Jetzt, 22 Jahre später, erzählt sein Sohn, Johann Scheerer, der damals dreizehn war, in „Wir sind dann wohl die Angehörigen“, die Geschichte aus seiner Perspektive. Wie es sich anfühlte, als seine Mutter ihn weckte und davon sprach, sie müssten jetzt beide „ein Abenteuer bestehen“, wie der Pubertierende die 33 Tage erlebte, in denen nichts und doch ganz viel passierte, und wie dieses Verbrechen das Verhältnis zu seinem Vater und sein ganzes Leben dramatisch veränderte.
Historische Ereignisse zugespitzt und ganz neu zu erzählen, dafür ist Éric Vuillard bekannt. In „Die Tagesordnung“ schildert er auf nur 128 Seiten entscheidende Momente von Hitlers Aufstieg. Am 20. Februar 1933 – kurz nach der Machtübernahme – findet in Berlin ein geheimes Treffen zwischen Adolf Hitler und 24 Industriebossen statt. Fast zwei Millionen Reichsmark spendet die deutsche Wirtschaftselite der NSDAP. Danach gehen alle zunächst wieder zur Tagesordnung über. Doch Vuillard zeigt: Die Deals zwischen Geld und Macht wirken bis heute. Für diese Weltgeschichte in Kurzversion erhielt Éric Vuillard den wichtigsten Literaturpreis Frankreichs: den Prix Goncourt.
Wie der Krieg eine vertraute Umgebung in eine apokalyptische Landschaft verwandelt, davon erzählt der ukrainische Schriftsteller Serhij Zhadan in seinem Roman „Internat“, für dessen brillante Übertragung ins Deutsche das Übersetzerduo Juri Durkot und Sabine Stöhr gerade den Preis der Leipziger Buchmesse erhalten hat. Mit dem Sprachlehrer Pascha macht sich der Leser auf den Weg durch die Ostukraine. Pascha soll seinen Neffen aus einem nahen Internat abholen und gerät dabei in eine Kriegszone, in der sich Separatisten, Milizionäre und ukrainische Soldaten gegenseitig in Schach halten. Der Heimweg der beiden wird zur Prüfung. Je willkürlicher und surrealer der Krieg tobt, desto klarer wird Paschas Haltung zur Welt.
Bücherliste:
Eshkol Nevo „Über uns“ (dtv)
Johann Scheerer „Wir sind dann wohl die Angehörigen: Die Geschichte einer Entführung“ (Piper)
Éric Vuillard „Die Tagesordnung“ (Matthes & Seitz)
Serhij Zhadan „Internat“ (Suhrkamp)

„Das Literarische „Quartett“ wird im Rang-Foyer des Berliner Ensembles mit Publikum aufgezeichnet. Die nächste Sendung findet am 29. Juni 2018 statt.

 

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Quelle: www.presseportal.de

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